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heimlich heimwärts
"Predigerkirche"
Am Predigerplatz
Wie ich mich in euch versehe,
am liebsten stundenstagnativ,
stürz ich in Starre, euch so nah,
euch sozusagen zu Füßen, mein
Genick verbogen um gewagte,
würdigende 90°, wie "schön",
nein dieses arg winzige Wort
vermag euch nicht zu fassen,
nie und nimmer wiederzugeben,
zur größeren Geste bin ich bereit:
wie "menschlich" ihr seid, wie
gefühlsverführend ihr wirkt, all
die Jahrhunderte überwinternd,
mit Augen trockener Tränen,
ewig euren Schmerz auf mich
tropfend, den eure Hauer
in euch hauchten, dessen Kraft
Erinnerung erschafft, wie sich
eure Farben, so sacht und satt
sich in meine Gehirnstränge
graben, welch handbewältigte
Bezauberung, holzgeschnitzte
Regungen der Religionen auf
euch vereinend, im minimalen
Mittelaltermikrokosmos eines
Kunstwerkes, und würden euch
noch so viele Holzwurmlöcher
übersäen, meiner Liebe seid
euch gewiss, nicht weil
ich euch lieben müsste, sondern
weil ihr nicht danach verlangt, in
Ecken nicht auf Blicke wartet,
euch nicht danach sehnt, erlöst
zu werden, sondern weil ihr
weiterhin still schweigen werdet
um die Vergangenheit zu verkünden,
um eurer Geburt zu gedenken,
um meiner Welt Wert zu leihen,
selbst das Licht gibt mir recht
und hüllt euch in mein Geheimnis,
heimlich heimwärts. |
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© Thomas Seifert
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